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Forschungsprojekt der Arbeitsgruppe Höhlen am Institut für Geologie, Mineralogie und Geophysik der Ruhr-Universität Bochum Rasmus DREYER, Rafael GRAW, Stefan NIGGEMANN & Detlev K. RICHTER |
Wissenschaftliche Ausgrabung in der Dechenhöhle - Königshalle
Die seit Oktober 1999 laufende wissenschaftliche Grabung in der Dechenhöhle ist ein modernes, interdisziplinäres Forschungsprojekt zur Rekonstruktion der Entwicklungsgeschichte der heimischen Höhlensysteme durch die Untersuchung klastischer Sedimente, dem sogenannten "Höhlenlehm", Altersdatierungen von Tropfsteinen und paläontologischen Funden. Durchgeführt wird das Projekt von der Arbeitsgruppe Höhlen des "Instituts für Geologie, Mineralogie und Geophysik" der Ruhr-Universität-Bochum.
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Die Lokalität der Forschungsgrabung befindet sich in der Königshalle der Dechenhöhle |
Die Lokalität der Grabung wurde vor Grabungsbeginn sorgfältig
ausgesucht. Da der Höhlenquerschnitt in der Königshalle röhrenartig
aussieht, konnte von einem >2 m mächtigen Sedimentprofil ausgegangen
werden. Etwa 50 Prozent des ursprünglichen Hohlraumvolumens schienen
mit Sedimenten vergefüllt zu sein. Die gesamte Bodenfläche in
der Königshalle war beim touristischen Ausbau der Höhle mit Kies
bedeckt worden. Darunter fand sich eine dünne Tropfsteinlage, die
intakt aber durch den Kies unwiederbringlich verdreckt war. Diese Tropfsteinlage
garantierte, dass der Boden an dieser Stelle unberührt war. Weiterhin
beeinträchtigt der Schurf die touristische Nutzung nicht und die Ergebnisse
können optimal in die Höhlenführung integriert werden.
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Situation der Grabungsstelle bei Beginn der Ausgrabung im Oktober 1999. |
Die Grube wurde zu Beginn nur auf ca. 1m Breite abgeteuft, um einen
ersten Überblick der Bodenschichten zu erhalten. Ab ca. 60 cm Tiefe
fanden sich die ersten Knochen von Großsäugern, zumeist Zähne
oder Fußknochen von Höhlenbären. In 1 - 1,4 m Tiefe befindet
sich dann die eigentliche Lage mit Höhlenbärenknochen. Diese
Knochenlage wurde bestmöglichst freigelegt, was sich als schwierig
erwies, da im Lehm auch zahlreiche unterschiedlich große Kalksteinpartikel
enthalten sind.
Als klar wurde, dass diese Grube sehr interessante Funde liefert, wurde
die Grabungsfläche vergrößert. Nahe der westlichen Grabungswand
fand sich eine größere Anzahl kleinerer Knochen. Diese lagen
durch umliegende Kalksteinbrocken begrenzt nahe zusammen und gehörten
offensichtlich zu einem Individuum. Der gesamte Lehm in diesem Bereich
wurde entnommen und durch ein Sieb geschlämmt. Die bis zu 3 mm kleinen
Knochen wurden anschließend unter einem Binokular ausgelesen. 120
Einzelknochen und Knochenbruchstücke ergeben ein ca. 30 cm langes,
nahezu vollständiges Skelett. Durch den Vergleich mit dem Skelett
eines Braunbären-Neugeborenen aus der Sammlung des Westfälischen
Museums für Naturkunde in Münster konnte der Fund als Höhlenbären-Neugeborenes
bestimmt werden. Dies ist eine Seltenheit, denn bisher ist neben dem Fund
aus der Dechenhöhle nur ein Höhlenbären"baby"-Skelett in
Deutschland bekannt. Vergleichbare Nachweise aus dem alpinen Raum wurden
von ABEL & KYRLE (1931) und RABEDER (1991) beschrieben.
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Fundsituation des Höhenbären-Neugeborenen. | ![]() |
Das zusammengelegte Skelett des Höhlenbären-Neugeborenen |
In 2-3 m Tiefe wurde schließlich der Felsboden der Höhle
erreicht. Nur an einer Stelle führt eine schmale lehmverfüllte
Spalte weiter in die Tiefe. Das freigelegte, maximal 3 m mächtige
Profil hat 8 klastische Schichten der Höhlenverfüllung und 3
Sinterlagen erschlossen. Die Schichtnummerierung ist vom Top zur Basis
vorgenommen worden, um bei Erweiterungsgrabungen zu erwartende ältere
Schichtglieder direkt anreihen zu können.
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Blick in die Grabung 2001 | ![]() |
Das aufgeschlossene Bodenschichten-Profil der NW-Wand bis zum Felsboden. |
Um die feineren Struckturen im Höhlenlehm besser erkennen zu können und um die Fundstelle des Höhlenbären - Neugeborenen zu erhalten und ins Museum zu stellen, wurde ein sog. Sediment - Transfer - Präparat angefertigt.
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Entnahme eines Sediment - Transfer - Präparates (STP) durch Lehrer und Schüler der Fachschule für präparationstechnische Assistenten. |
Die Grabungsfläche wurde im Januar 2001 mit dem Ziel erweitert, dass der gesamte Gangquerschnitt freigelegt würde. Dazu musste zunächst eine Brücke für die Besucher errichtet werden.
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Brückenbau im Januar 2001 |
Heute können die Besucher von der Brücke aus in die Grube
hinabschauen und erhalten einen Einblick in die über 400.000 Jahre
alten Bodenschichten der Dechenhöhle. Über dem freigelegten Felsboden
lassen sich die unterschiedlich gefärbten Höhlenlehmschichten
gut erkennen. Mehrere Höhlenbärenknochen wurden in ihrer Fundposition
belassen. Tafeln an den einzelnen Lehmschichten sowie eine Erläuterungstafel
wurden für die Besucher angebracht.
Das Profil Dechenhöhle - Königshalle ist ein hervorragendes
und im nordwestdeutschen Raum einzigartiges Anschauungsobjekt für
wissenschaftliche Studenten und ermöglicht auch einem breiten Bevölkerungskreis
einen fazinierenden Einblick in die letzten 400.000 Jahre Erdegeschichte
des Eiszeitalters.
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Aktueller Stand der Grabung Oktober 2003. Blick von der Brücke. |
Danksagung:
Die Obere Denkmalbehörde in Altena gestattete die Ausgrabung in
dem eingetragenen Bodendenkmal.
Für logistische Unterstützung sowie zahlreiche Diskussionen
danken wir besonders E. Hammerschmidt von der Betriebsführung der
Dechenhöhle sowie den Mitgliedern der Speläogruppe Letmathe e.
V.. Die TIMS-U/Th-Datierungen wurden dankenswerterweise von Prof. A. Mangini
(Forschungsstelle Radiometrie, Heidelberger Akademie der Wissenschaften)
ermöglicht. Für die Pollenuntersuchungen sind wir Dr. R. Stritzke
(Geol. Dienst NRW/Krefeld) zu Dank verpflichtet. Weiterhin möchten
wir Prof. F. Strauch (Institut für Geologie und Paläontologie,
Univ. Münster) für die Bestimmung der kaltzeitlichen Landschnecken
danken.
Literatur
ABEL, O. & KYRLE, G. (1931): Die Drachenhöhle bei Mixnitz.-
Speläologische Monographien v. Speläol. Inst. b. Bundesmin. f.
Land u. Forstwirtschaft, Band VII, VIII, 953 S.; Wien (Verlag österr.
Staatsdruckerei).
DREYER, R., GRAW, R., NIGGEMANN, S. & RICHTER, D. K. (2000): Forschungsgrabung "Dechenhöhle": Erste Ergebnisse.- Bochumer geol. u. geotechn. Arb. 55: 169-178; Bochum.
HAMMERSCHMIDT, E. (1994): Bodenfunde in der Dechenhöhle.- Mitt. & Ber. Speläogr. Letmathe, 9 (1-4): 20-22; Iserlohn.
HAMMERSCHMIDT, E., NIGGEMANN, S., GREBE, W., OELZE, R., BRIX, M., RICHTER, D. K. (1995): Höhlen in Iserlohn.- Schriften zur Karst- und Höhlenkunde in Westfalen, 1, 153 S.; Iserlohn.
MANIA, D. (1973): Paläoökologie, Faunenentwicklung und Stratigraphie des Eiszeitalters im mittleren Elbe-Saalegebiet auf Grund von Molluskengesellschaften.- Geologie, 21, Beiheft 78/79: 1-175; Berlin.
NIGGEMANN, S. (1996): Sedimentologische Untersuchungen zur Entwicklung der Höhlensysteme im Grünerbachtal bei Iserlohn (Sauerland, NRW).- Unveröff. Diplomarbeit, Geol. Institut, Univ.-Bochum, 80 S.; Bochum.
NIGGEMANN, S. (1997): Origin and development of caves within the devonian massive limestones of the Rheinisches Schiefergebirge (Germany).- Proc. 12th. Int. Congress of Speleology: 151-154; La-Chaux-de-Fonds.
NIGGEMANN, S. (1998): Geologische Kartierung des Sedimentinventars der Dechenhöhle.- Speläolog. Jb. Ver. f. Höhlenk. Westf., 1997: 23-60; Iserlohn.
NIGGEMANN, S. (2000): Klimabezogene Untersuchungen an spät- und postglazialen Stalagmiten aus Massen-kalkhöhlen des Sauerlandes.- Bochumer geol. u. geotechn. Arb., 55: 1-129; Bochum.
NIGGEMANN, S., FRANK, N., MANGINI, A. RICHTER, D. K. & WURTH, G. (2000): Holozäne Stalagmiten des Sauerlandes als Klimaarchive.- Mitt. d. Verbandes d. dt. Höhlen- u. Karstforsch., 46 (1/2): 84-90; München.
PIELSTICKER, K. H. (2000): Höhlen und Permafrost.- Bochumer geol. u. geotechn. Arb. 55: 156-233; Bochum.
RABEDER, G. (1991): Die Höhlenbären der Conturines.- 124 S.; Bozen (Verlagsanstalt Athesia).
RABEDER, G. (1999): Die Evolution des Höhlenbärengebisses.- Mitt. Quartärkomm., Österr. Akad. Wiss., 11, 102 S. ; Wien.
SOERGEL, W. (1940): Das Massenvorkommen des Höhlenbären.-
112 S.; Jena (Gustav Fischer Verlag).