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Forschungsprojekt der Arbeitsgruppe Höhlen am Institut für Geologie, Mineralogie und Geophysik der Ruhr-Universität Bochum Stefan NIGGEMANN & Detlev K. RICHTER |
Geochemie und Mineralogie von Koralloiden (Knöpfchensinter) und Calcitnadeln (1994 - 1996)
Subaerische Koralloide
Calcitnadeln
Subaerische Koralloide (Knöpfchensinter etc.) in Höhlen sind
Aerosolbildungen mit unterschiedlich starker Beteiligung kapillarer Zulieferung
wäßriger Lösungen. Koralloidproben aus Kalkhöhlen
des Sauerlandes und Dolomithöhlen der Eifel sowie Felsnischen im Dolomitgestein
Südtirols wurden rasterelektronen- und kathodolumineszenzmikroskopisch
sowie röntgendiffraktometrisch untersucht. Die Koralloide weisen einen
intensiven Lagenbau im µm-Bereich auf. Der Gehalt an Mol-%-MgCO3
im Calcit der Koralloide ist positiv korreliert mit dem pauschalen Mg-Gehalt
des Wirtsgesteins. In Höhlen mit stärkerer Dolomitbetonung treten
zusätzlich zu Höchst-Mg-Calciten Aragonit und wasserhaltige Karbonate
als Mineralphasen auf. Die Mineralisation von Aragonit und Mg-reichen Calciten
wird bei den Speläothemen auf eine Bildung aus Restlösungen zurückgeführt.
Lokal stellen höhere Temperaturen in eingangsnahen Höhlenpassagen
einen Zusatzeffekt dar.
Feinstfaserige Formen (Nadeln) von Calcit wurden im Kontakt zu siliziklastischen
Bodensedimenten der Hüttenbläserschachthöhle (Iserlohn,
NRW) auf rezenten Anschnitten und unter zerbrochenen Bodensinterplatten
gefunden. Nach Röntgendiffraktometeraufnahmen mit internem Quarzstandard
erwiesen sich die Nadeln als nahezu stöchiometrisch zusammengesetzter
Calcit. Lichtoptische Untersuchungen haben Einzelfasern und Bündel
von Fasern ergeben, wobei die nadelartigen Gebilde Einkristalle darstellen.
Häufig zeigen die bis zu 200 µm langen und nur <0,5 bis 2
µm dicken Nadeln eine schiefe Auslöschung, was an ein Skelettwachstum
der Calcite erinnert. REM-Untersuchungen zeigen keine einfachen Nadeln
sondern immer längsgeriefte Fasern mit hahnenkammähnlichen Fortsätzen.
Derartige Fasern werden in der Literatur aus bodenbezogenen Krustenkalken
(calcretes) beschrieben. Die Wölbungen der gerieften Nadeln stellen
unserer Meinung nach eine Biomineralisation oder eine anorganische Kristallisation
in Filamentlumen dar, die aufgrund des Vorkommens nur auf Pilzfäden
zurückzuführen sind. Die hahnenkammähnlichen Fortsetze markieren
ein homoaxial zu den Calcitnadeln erfolgtes freies Kristallwachstum, das
für Aerosolbildungen typisch zu sein scheint.
Summary:
Subaerial-formed cave-corraloids are formations of aerosolian waters
with different contributions of capillary supplied aqueous solutions. Samples
from limestone-caves of the Sauerland and dolomitstone-caves of the Eifel
(both Germany) as well as from rock-niches of South-Tyrolian (Italy) dolomitstone-areas
were examined by SEM- cathodoluminescence-microscopic and X-ray-diffraction
means. The corraloids show an intensive, µm-scaled lamination-structure.
The corraloid-calcite´s content of Mol-% MgCO3 is positively correlated
with the global Mg-content of the host-rock. In addition to high-Mg-calcites
aragonit and hydrated carbonates are common mineral-phases in caves with
stronger dolomitic-accentuation. The mineralization of aragonite and Mg-rich-calcites
is due to precipitation from remaining-solutions. Higher temperatures in
galleries near the cave´s entrance represent an additional effect.
Veröffentlichungen:
RICHTER, D.K. & NIGGEMANN, S. (1995): Calcitnadeln in der Hüttenbläserschachthöhle bei Iserlohn (NRW).- Speläolog. Jb. Verein f. Höhlenkunde Westf., 1994: 25-32; Iserlohn.
NIGGEMANN, S., HABERMANN, D.,OELZE, R. & RICHTER, D.K. (1997): Aragonitisch/calcitische Koralloide in Karbonathöhlen unterschiedlicher Mg-Betonung.- Speläolog. Jb. Verein f. Höhlenkunde Westf., 1995/96: 151-168; Iserlohn.
NIGGEMANN, S., HABERMANN, D.,OELZE, R. & RICHTER, D.K. (1997): Aragonitic/calcitic coralloids in carbonate caves: Evidence for solutions of different Mg-influence. - Proc. 12th. Int. Congr. of Speleology, Vol.1: 251-256; La-Chaux-de-Fonds.