durch das Deutsches Höhlenmuseum Iserlohn
Ein Rundgang durch das Höhlenmuseum kann vor oder auch nach dem Besuch der Dechenhöhle sehr spannend sein, denn es
gibt viele Informationen rund um das Thema Höhlen. Die Dauer, die für den Rundgang benötigt wird hängt natürlich stark vom Interesse eines Einzelnen ab.
Wer nach dem Museumsbesuch noch weitere Fragen hat, kann diese gerne an der Kasse/Information stellen.
Das Höhlenmuseum gliedert sich in verschiedene Themenbereiche:
| Höhlenwelten | Archive der Erdgeschichte | Mensch und Höhle | Höhlenleben | Höhlenforschung |
![]() |
Der erste Raum des Museums befasst sich mit allgemeinen Höhlen-Themen. Dazu gehört zum Beispiel,
was man überhaupt unter einer Höhle versteht, wie sie entstehen und wo man sie dementsprechend finden kann. Eine Diaschau ermöglicht weitere
Einblicke in Höhlenwelten auf unserem Planeten.
Die meisten Höhlen in Deutschland liegen im Kalkstein und entstehen durch die Lösungkraft des Wassers. Dabei sind sie nur eine von vielen
Erscheinungsformen in der sogenannten Karstlandschaft. Eine beispielhafte Karstlandschaft wird in diesem Raum dargestellt.
Wie groß Höhlen werden und welche Dimensionen dabei entstehen zeigt eine Wand mit den derzeitigen Höhlenrekorden. Die tiefste Höhle
der Welt z.B. ist schon über 2100 Meter erforscht worden und das längste Höhlensystem auf bereits 580 km Gesamtlänge!
Eine Karte von Deutschland veranschaulicht die Karstgebiete, in denen wir in unserem Land Höhlen finden können.
| Das Gestein der Karstgebiete im Sauerland ist der devonische Massenkalk. Ein größerer Block ist hier ausgestellt, dem man schon ansieht wie das Regenwasser in "zerfressen" hat. Weitere kleinere Stücke befinden sich in einer Vitrine, bei denen man die vielen Versteinerungen (Fossilien) von Schwämmen, Korallen und andere Riffbewohnern erkennen kann, die vor ca. 380 Mio. Jahren in einem tropisch-warmen Meer riffartige Ablagerungen von teilweise mehr als tausend Meter Mächtigkeit aufgebaut haben. |
|
Der zweite Raum des Museums beschäftigt sich mit der langen Geschichte dieses ca. 380 Mio Jahren alten Kalksteins. Eine Grafik veranschaulicht
diesen komplexen Prozess zur Entstehung der heutigen Landschaft.
Im Karbon wurden die Schichten durch Auffaltung aus dem Meer emporgehoben und unterlagen später der auflösenden Einwirkung durch das
kohlensäurehaltige Regenwasser, das entlang tektonischer Risse und Schichtfugen in das Kalkgestein eindrang. So entstanden schon vor vielen
Jahrmillionen Höhlen in dieser Region. Im Laufe der Zeit wurden diese entweden zerstört oder mit verschiedensten Ablagerungen wieder verfüllt.
Solche alten Ablagerungen sind für die Wissenschaft sehr wertvoll, denn in ihnen finden sich viele Reste, die an der Erdoberfläche bereits zerstört
worden wären, z. B. Reste von Dinosauriern!
![]() |
Zwei lebengroße Dinosaurier stehen hier im Mittelpunkt des Raumes. Diese Dinosaurier hat es im Sauerland tatsächlich gegeben, wie Funde,
in den Vitrinen ausgestellt, aus alten Höhlenfüllungen belegen.
In einem Steinbruch bei Wülfrath wurde eine alte Höhlenfüllung aus der Unterkreide-Zeit entdeckt, die zwar keine Dinosaurierknochen lieferte, aber
Holzkohle enthält, die viel über die Pflanzenwelt der Dinosaurier-Zeit verrät. Ein Original-Stück dieser Höhlenfüllung ist hier ebenfalls ausgestellt.
Von der Dinosaurierzeit geht es weiter bis in das Eiszeitalter. Anhand einer Klimakurve der letzten 800.000 Jahre kann man verfolgen, wie oft sich
die Lebensbedingungen auf unserem Planeten verändert haben. In diesem Zeitraum entstanden wohl die meisten Höhlen im Sauerland, insbesonderem im Bereich
der Dechenhöhle.
Eine Grafik und ein Modell verdeutlichen die in drei Phasen gegliederte eiszeitliche Höhlenentstehung im Bereich von Dechenhöhle und der darunterliegenden
Knitterhöhle, durch die sogar heute noch ein Höhlenbach fließt. Auf dem aktuellen Höhlenplan kann man hier auch seinen Weg durch die Dechenhöhle verfolgen,
und jene Teile der Knitterhöhle sehen, die nur Höhlenforschern zugänglich sind.
Durch einen schmalen Durchgang erreicht man den Saal.
![]() |
Im Saal werden verschiedene Themen behandelt. Im Mittelpunkt stehen die Eiszeittiere, insbesondere der Höhlenbär. Nicht in allen Höhlen finden sich Reste der Eiszeittiere und der Grund warum heute viele Menschen in Höhlen gehen ist eher ein anderer: die Tropfsteine.
|
Nach der aktiven Phase der Höhlenentstehung durch das Grundwasser sind viele Höhlen durch die Taleintiefung trocken gefallen.
Nun tropf mit Kalk angereichertes Wasser von der Höhlendecke. Der Kalk fällt aus und es wachsen viele kleine kalkkristalle, welche die Tropfsteine
bilden. Diese gibt es in zahlreichen Formen und Farben. Wie heißen nochmal die Tropfsteine an der Decke? Diese Fragen stellen sich viele Besucher.
Die Antwort findet sich hier natürlich auch, aber noch viel mehr: z. B. ein Tropfstein zum anfassen, denn in der Höhle darf man das nicht, da wir
immer Fett an den Fingern haben, welches die Tropfsteine verfärben und somit schmutzig machen kann. Die Tropfsteine im Museum stammen meist aus kleinen Höhlen, die in Steinbrüchen gesprengt wurden. Wer sich aktiv wachsende Tropfsteine ansehen und bewundern möchte, sollte dies natürlich in der Höhle selbst machen. Tropfsteine können auch etwas zum Klima der Vergangenheit erzählen. Während ihres langsamen Wachstums haben sich unterschiedliche Schichten gebildet, die mit speziellen Untersuchungen Änderungen in der Höhlentemperatur verraten. Solche durchgesägten und untersuchten Tropfsteine sind hier im Original zu sehen. |
|
Von Außen gelangen oft Steine, Lehm und Knochen in die Höhlen. Dadurch werden Höhlen immer mehr verfüllt, bis diese ganz verschüttet sind.
Dabei werden auch Knochen und Tropfsteine im Höhleninneren immer wieder verschüttet. Oft kann eine Ausgrabung, wie die in der Dechenhöhle viel über die
Geschichte der Höhle und der Landschaft erzählen.
Ein Stück echter Höhlenboden aus der Dechenhöhle wurde durch ein spezielles Verfahren hart gemacht und hängt nun hier an der Wand des Museums. Mit ein wenig Gedult
oder geschultem Blick kann man zwischen den Steinen zahlreiche Knochen- oder Zahnstücke erkennen.
Diese Knochen stammen von eiszeitlichen Tiere. Manche lebten hier als es kalt war, wie z. B. das Mammut, manch andere als es zwischendurch warm war, wie
der Waldelefant. Der 1993 in einer kleinen Nebenhöhle der Dechenhöhle aufgefundene Schädel eines wärmeliebenden Waldnashorns aus einer Zwischeneiszeit vor mehr
als 80.000 Jahren ist für Nordwestdeutschland einmalig und bildet seit 1995 eine Attraktion des Museums.
|
Die meisten Knochen aus den Höhlen Europas stammen von den Höhlenbären. Diese sind zum Winterschlaf auch tief
in die dunklen Höhlen hineingegangen. Bei der Ausgrabung in der Königshalle der Dechenhöhle wurden auf wenigen Quadratmetern über
2000 Knochen und Zähne gefunden. Wenn man genug Knochen hat, können diese zu einem Skelett zusammengebaut werden, welches hier natürlich steht. Als Besonderheit des Museums steht hier auch die einzigartige lebensechte Dermoplastik einer Höhlenbärenin mit ihrem Jungtier. Eine weitere Besonderheit zum Thema Höhlenbär stellt des Skelett eines neugeborenen Höhlenbären dar, welches im Jahr 2000 bei Ausgrabungen in der Dechenhöhle gefunden wurde. In Deutschland gibt es nur zwei Exemplare, zum einen da die kleinen Knochen leicht zerstört werden, aber auch weil man früher bei Ausgrabungen nicht so sehr auf kleine Fundstücke geachtet hat. Das Exemplar aus der Dechenhöhle ist schon über 212.000 Jahre alt! Unter dem Höhlenbären führt ein Krabbeltunnel hindurch. Wer möchte kann auch hier noch etwas entdecken. |
|
Der große Höhlenbär hatte sicherlich nur wenige Feinde. Einer war der Höhlenlöwe, der hier ebenfalls als Rekonstruktion steht. Imposant ist für die meisten Besucher allein schon seine Größe im Vergleich zu den heutigen Löwen. Man geht aber davon aus, dass die männlichen Höhlenlöwen keine Mähne hatten. Knochenfunde aus der Dechenhöhle und der Kreuzhöhle belegen, dass die Höhlenlöwen auch hier im Sauerland lebten.
|
Seit der Steinzeit sind Menschen in Höhlen gegangen und haben dort Spuren
hinterlassen. Knochenfunde, die Arbeiter beim Ausräumen des Höhlenlehms in der kleinen Feldhofer Grotte im Neandertal machten,
führten zur Diskussion um die Herkunft der Menschheit. Leider wurde diese heute berühmte Höhle im Zuge des Kalksteinabbaus zerstört.
Mittlerweile hat man auch in anderen Höhlen und Fundstellen Reste des Neandertalers gemacht. Knochenfunde sind jedoch relativ selten, öfter werden Werkzeuge aus Stein gefunden. Solche Werkzeuge wurden auch in Iserlohn gefunden, bekannter ist jedoch die nicht weit entfernte Balver Höhle. Diese Höhle hat ein großes Eingangsportal und ist so den Menschen seit Jahrtausenden bekannt. Auch heute wird die Balver Höhle gelegentlich für kulturelle Veranstalltungen genutzt. Die Menschen der Steinzeit waren auch in der direkten Umgebung der Dechenhöhle, wie zahlreiche Artefakte belegen. Sie kannten auch schon einige Höhlen, z.B. die Grürmannshöhle bei den Felsen "Pater und Nonne" und die zur Dechenhöhle benachbarten Martinshöhle. Letztere wurde von den Menschen über lange Zeit hinweg immer wieder aufgesucht. Im Museum sind einige Fundstücke zu sehen. Die Höhle selbst wurde leider im Jahr 1912 gesprengt, da sie in einem Steinbruch lag. |
|
Die Menschen hinterließen jedoch nicht nur Steinwerkzeuge, sondern auch Reste von Feuerstellen und bearbeitete Tierknochen. Aus manchen Knochen wurden sogar kleine Kunstgegenstände geschaffen, wie man sie in Höhlen Süddeutschlands gefunden hat, andere Knochen landeten als Abfall in Felsspalten und gelangten so in Höhlen. Der Fund einer Rentierkuh aus der Bunkerhöhle ist wohl ein solcher Fall. An den ausgestellten Knochen lassen sich noch Bearbeitungsspuren durch die Steinwerkzeuge erkennen.
|
In einigen Höhlen Nordspaniens, Südfrankreichs und des Urals fand man Bilder, welche die Menschen der Steinzeit
mit großartiger Kunstfertigkeit hinterlassen haben. Meist handelt es sich um Ritzungen, seltener sind mit Farben gemalte Motive. Bekannt
sind Höhlennamen wie Lascaux, Ekain, Grotte Cosquer, Chauvet und Altamira. Viele dieser Bilderhöhlen sind nur Wissenschaftlern zugängig
um das Höhlenklima zu erhalten und Spuren der Steinzeitmenschen am Boden zu schützen. Ein paar der bekanntesten Bilder sind hier an einer mehrer Meter breiten "Höhlenwand" nachgemalt. Dabei wurde auch darauf geachtet verschiedene Motive/Tierarten, als auch verschiedene Maltechniken wiederzugeben. Am Fuße der Wand befindet sich eine nachgebildete archäologische Ausgrabungsfläche mit einer alten Feuerstelle und anderen Fundstücken. |
|
|
Seit der Antike gibt es viele Überlieferungen über Höhlen und die damaligen Vorstellungen der Menschen. Dazu
gehören zum einen Sagen mit Höhlen als Tor zur Unterwelt bzw. zum Totenreich oder wie auf Kreta als Geburtsstätten von Göttern.
In vielen Höhlen wurden Opfergaben dargebracht, von denen Archäologen viele Reste fanden. In manchen Höhlen fanden vielleicht sogar
Menschenofer statt, auch bei uns in Deutschland. Im Mittelalter dachten viele Leute in Höhlen leben Drachen und bewachen wertvolle Schätze. Selbst Siegfried der Drachentöter besiegt im Nibelungenlied den Drachen in einer Höhle. Im ausgehenden Mittelalter war auch eine Iserlohner Höhle Mittelpunkt für solche Mutmaßungen. Zu diesen Vorstellungen kam es wohl, als man die zahlreichen Knochen eiszeilicher Tiere fand, die entweder als Reste von Drachenmahlzeiten oder Drachenknochen selbst angesehen wurden. Bis heute wurde kein Drache gefunden, aber manche Höhlen tragen ihren Namen. Stattdessen versteckten sich in manchen Höhlen Räuber. Vielleicht verstecken sie sich dort auch heute noch?! |
Mit der Aufklärung begann die wissenschaftliche Untersuchung der Höhlen in Deutschland. Eines der ältesten Werke ist das 1774
erschienene Buch von Johann Friedrich ESPER, der zahlreiche Knochenfunde aus der Zoolithenhöhle in der Fränkischen Schweiz beschreibt und somit das
paläontologische Interesse an Höhlen weckte. Erst 20 Jahre nach seinem Buch wurde die Art des Höhlenbären aufgestellt.
Ein Raum des Museums widmet sich der alten Literatur und den ersten Höhlendarstellungen. Ebenso gibt es hier viele informationen zur
Erforschungsgeschichte der 1868 entdeckten Dechenhöhle. An der Untersuchung der Dechenhöhle waren berühmte Naturforscher wie der Geologe Heinrich v.
Dechen und der mit der Entdeckung des Neandertalerschädels verbundene Johann Carl Fuhlrott beteiligt.
Zahlreiche Souvenirs und alte Postkarten unterschiedlichen Alters spiegeln die Tradition der Schauhöhlen wieder. An der Dechenhöhle befindet sich
auch die "Zygowski-Bibliothek", die eine der größten Höhlenpostkarten-Sammlungen der Welt beinhaltet.
Zur Zeit gibt es in Deutschland 52 Schauhöhlen.
|
Ein dunkler Raum widmet sich der heutigen Tierwelt in den Höhlen. Es gibt dabei die echten Höhlentiere, die ihr ganzes Leben in der Höhle verbringen. Meist sind sie farblos, blind und relativ klein. Auf der Welt gibt es viele verschiedene Höhlentiere, die uns oft seltsam erscheinen. Dazu zählen auch blinde Höhlenfische, die hier lebend in einem Aquarium zu sehen sind. Mit ein bischen Glück ist gerade Fütterungs-Zeit. Zu den höhlenlieben Tieren zählt dagegen die Höhlenspinne, die nicht bei allen beliebt ist, dabei ist sie für uns ganz harmlos. Sie ist leicht an den Höhlenwänden in der Nähe der Eingänge zu finden. Zu den vielen Höhlengästen zählen die wohl bekanntesten Höhlentiere, die Fledermäuse. Lebende Fledermäuse kann jeder in freier Natur beobachten. Im Museum veranschaulichen Fotos sowie zwei Präparate ihre Größe, Farbe, Form und Lebensweise. |
|
In einem weiteren dunklem Raum kann man eine Höhle mal anders erleben: man muss sie hören! Schon kleinste Wassertropfen werden
in der Höhle zu einem kleinen Konzert der Natur. Jedoch sollte man sich auch konzentrieren können. Selbst Höhlenforscher machen ihre Pausen oft in der
absoluten Dunkelheit, um Licht zu sparen, aber auch um die Stille auf sich wirken zu lassen.
|
Wie heute Höhlen erforscht werden zeigt ein weiterer Raum. Welche Ausrüstung braucht ein Höhlenforscher? Welchen
Herausforderungen muss sich ein Höhlenforscher stellen? Und vor allem: Was macht ein Höhlenforscher in der Höhle überhaupt? Diese Fragen werden hier beantwortet, zum einen mit Fotos, zum anderen mit original Ausrüstungsgegenständen. Ein lebensgroßer Höhlenforscher in kompletter moderner Ausrüstung seilt sich sogar an der Decke nach oben. Eine Karte des Grünerbachtales zeigt die weiteren Höhlen in der Umgebung der Dechenhöhle. Allein in diesem Tal befinden sich mitlerweile ca. 20 km erforschte Höhlengänge. Jedes Jahr werden neue Höhlenteile entdeckt, danach folgt die Vermessung der Höhlenteile. Auf dieser Grundlage können weitere Forschungen (geologisch, paläontologisch, klimatisch, archäologisch usw.) erfolgen. Wer selber Höhlenfoscher werden will, sollte sich einem der Höhlenvereine anschließen; an der Dechenhöhle sitzt die "Speläogruppe Letmathe e.V.". |
|
zerstöre nichts, nimm nichts mit, schlag nichts tot und lass nichts zurück! |